Die Ofling natürlich schützen
Starkregen, Gewitter. Hochwasser an Stellen, die man früher nicht für möglich gehalten hätte – beim Hochwasserschutz kommen auf die Kommunen gewaltige Aufgaben zu. Auch in Weinheim, obwohl dort gar keine größeren Gewässer liegen. Aber bei mancher Wetterlage ist auch schon ein kleiner Bach zum reißenden Fluss geworden. Es geht konkret um den Landgraben und den kleinen südwestlichen Stadtteil Ofling.
Da will und muss die Stadt den Hochwasserschutz nachhaltig verbessern. Die politischen Gremien beschäftigen sich damit im Moment. Am Mittwoch beriet sich zuerst der Ausschuss für Technik Umwelt und Stadtentwicklung (ATUS). Jetzt ist der Gemeinderat am 9. April an der Reihe, die „Renaturierung“ der Dämme als Vorzugsvariante für die Aufstellung einer Entwurfs- und Genehmigungsplanung zu beschließen.
Das ist der Hintergrund: In Höhe des Stadtteils Ofling verläuft der Landgraben, eingedämmt in einem Hochsystem, der Wasserspiegel liegt höher als die umliegenden Flächen. Aktuellen geotechnischen Untersuchungen zufolge weisen die Dämme am Landgraben bei einem 100-jährlichen Hochwasser nicht in allen maßgeblichen Lastfällen die erforderliche Standsicherheit auf.
Neue Dämme und ein neues Bachbett
Die angestrebte Lösung der Stadt sieht so aus: Die bestehenden Dämme des Landgrabens werden auf der gesamten Länge von etwa 500 Meter vom Durchlass unter der Muckensturmer Straße bis zur Brücke der Straße Am Landgraben abgetragen. Lediglich der westliche Damm im Bereich des Biotops im Südosten bleibt bestehen, um nicht in den geschützten Bereich einzugreifen. Der neue Damm wird mit einer Böschungsneigung von eins zu drei und einer Dammkrone von drei Meter Breite aufgebaut. An die wasserseitige Unterkante des östlichen Damms wird eine etwa 15 Meter breite Auenfläche angeschlossen, in der eine etwa 25 Zentimeter tiefe und ein Meter breite, mäandrierende Niedrigwasserrinne als neues Bachbett des Landgrabens angelegt wird.
Westlich der Auenfläche wird der neue Westdamm errichtet, um das Hochsystem des Landgrabens intakt zu erhalten. Das alles ist nötig, um die Hochwassersituation im Unterwasser, besonders für den Autobahnparkplatz, nicht zu verschlechtern.
Da die Bauzeit auch rund neun Monate beträgt, ist ein 119 Meter langer bauzeitlicher Hochwasserschutz für den Autobahnparkplatz zu errichten. Das ganze Projekt hat ein Kostenvolumen von rund 2,9 Millionen Euro, die Stadt rechnet aber mit einer Landesförderung von über zwei Millionen Euro.
Oberbürgermeister Manuel Just verwies in der ATUS-Sitzung am Mittwoch aber auch darauf, dass eine relativ zügige Umsetzung dieser Variante vom Kooperationswillen der Grundstückseigentümer abhängt. Denn dazu muss die Stadt Grundstücke aus Privatbesitz erwerben. Selbst dann müsse man mit einem Umsetzungszeitraum von drei bis fünf Jahren rechnen. Falls die Eigentümer nicht kooperativ sind, werde wohl ein Planfeststellungsverfahren erforderlich, was längere Zeit in Anspruch nehmen würde. „Dann“, so Just, „müssen wir uns in diesem Gremium sicher nochmal zusammensetzen“.
Der OB versicherte aber auch, dass es bis zu einer Umsetzung provisorische Sicherheiten geben wird, etwa durch den Einsatz von Sandsäcken.
Die Variante verbinde ökologischen Nutzen mit der Erhöhung des Freizeitwertes für die Bevölkerung; auch wirtschaftlich sei die Variante drei wegen der Landesförderung die günstigste für die Stadt, so der Tenor im Ausschuss.
Der Gemeinderat fällt eine endgültige Entscheidung am 9. April.