Denn Worte können Wunder sein

„Warum habe ich auf dem Opernplatz nicht widersprochen, und nur die Faust in der Tasche geballt - weil niemand vor der Zeit weiß, ob er zum Helden taugt. Keiner darf die Hände in den Schoß legen und hoffen, dass im Ernstfall genügend Helden zur Stelle sind.“
Der Schriftsteller Erich Kästner sprach diese Worte nach dem barbarischen Akt der Bücherverbrennung in deutschen Städten während des Nationalsozialismus im Mai 1933.

Heute weiß man, dass es damals schon zu wenig Helden waren, die Deutschland und die Welt vor diesem Terror, vor dem Zweiten Weltkrieg, dem Kultur- und Zivilisationsverfall retten konnten – oder auch wollten. Dr. Alexander Boguslawski zitierte dieser Worte im Rahmen einer bewegenden Veranstaltung, die von der Stadt und Partnern der Weinheimer Kulturszene jetzt im Saal der Stadtbibliothek organisiert wurde.
Boguslawski, selbst Literat, sowie die Theater- und Kabarettdarstellerin  Katja Hoger und der Kollege Holger Mattenklott, rezitierten passende Texte von Zeitzeugen und betroffenen Autoren.
Ganz besonders war die Matinee dem kürzlich verstorbenen Weinheimer Kulturförderer Dr. Hans-Jochen Hüchting gewidmet, der gemeinsam mit Katja Hoger eine literarische Gedenkstunde zur Bücherverbrennung geplant hatte. Hüchtings Witwe Ingrid Hüchting nahm jetzt an der Veranstaltung teil.
Alexander Boguslawski spannte mit Überleitungen zum historischen Hintergrund den Bogen zwischen den Textstellen, die Hoger und Mattenklott mit ihrer Sprache illustrierten. Gelesen wurden Victor von Klemperer (Tagebuch von 1933), Max Frisch (Der andorranische Jude), Gedichte von Brecht und Ringelnatz, Irmgard Keun (unter anderem „Nach Mitternacht“) und Joseph Roth. Frantz Wittkamps Ausspruch „Worte können Wunder sein“ bezog Katja Hoger ausdrücklich auf Hans-Jochen Hüchting, der unter diesem Motto an ihrer Seite Lesungen veranstaltet hatte.
Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just erklärte zu der „kulturellen Barbarei“ der Bücherverbrennung: „An jenem 10. Mai 1933 fielen neue Schatten des Unrechts über unser Land. An jenem düsteren Tag, der in die Annalen der Geschichte als die Bücherverbrennung von 1933 eingehen sollte, entfesselte die nationalsozialistische Ideologie eine Welle der Zerstörung, die nicht nur Bücher in Flammen setzte, sondern auch die Grundfesten der Freiheit und des Geistes zu zerstören suchte.“
Er betonte aber auch: „Trotzdem ist die freie Meinungsäußerung in Deutschland auch heute noch bedroht.“ Seit Jahren seien Formen digitaler Gewalt und der so genannten Hatespeech ein strategisches Mittel, insbesondere Angehörige benachteiligter Gruppen anzugreifen und aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Just fasste zusammen: „Wenn Menschen aus Angst vor Hass und Hetze ihre Meinung nicht mehr sagen können, ist das ein Angriff auf unsere Meinungsfreiheit.“ Und er ergänzte: „Ganz aktuell bereiten uns die tätlichen Angriffe auf Politiker große Sorgen. Diese öffentlichen tätlichen Angriffe bedeuten eine weitere Grenzüberschreitung.“
Es sei deshalb wichtig, so der OB, „dass wir uns immer wieder daran erinnern, was 1933 und den Folgejahren geschah, denn in diesen dunklen Stunden der Geschichte finden wir eine Mahnung für unsere Gegenwart und Zukunft“. Die Bücherverbrennung von 1933 sei ein schreckliches Beispiel dafür gewesen, wie Fanatismus und Hass die Grundwerte einer Gesellschaft bedrohen können. Aber, so der Rathaus-Chef: „Sie war ein Weckruf, der uns erinnert, dass wir wachsam sein müssen gegenüber den Gefahren von Intoleranz und Totalitarismus, gegenüber denen, die die Meinungsfreiheit unterdrücken und den freien Austausch von Ideen verhindern wollen.“
Bibliotheksleiterin Stephanie Koch hatte die rund 50 Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung begrüßt und verabschiedet. Musikalisch wurde die Lesung von Victor Majtenyi von der Musikschule Badische Bergstraße begleitet.
 
 

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