In Weinheim ein Zuhause gefunden
Gisela Wunderlich feierte ihren 100. Geburtstag und erhielt Glückwünsche von der Stadt
Auch mitten im Krieg können sich romantische Geschichten und Begegnungen ereignen. So war es bei Gisela Wunderlich im Jahr 1943. Die junge Frau, die in Berlin geboren und aufgewachsen ist, schickte von ihrer ersten Arbeitsstelle, einer Schrebstube, eine Zeitung an die Front, versehen mit dem Gruß „zur Ausfüllung Ihrer Freizeit sende ich Ihnen diese Zeitschrift“. Diese Zeitschrift wurde einem jungen Soldaten in die Hand gedrückt, der den Gruß beantwortete. Die damals 17jährige Gisela war nicht nur überrascht, eine Antwort zu erhalten, sondern insbesondere von der schönen Handschrift des jungen Soldaten angetan. Nach einigen Briefwechseln fand ein erstes Treffen im Beisein des Papas statt. Die beiden wurden ein Paar.
Die Liebesgeschichte ist das eine. Das andere war, dass Gisela Wunderlich zu ihrem neuen Partner und künftigen Ehemann in das beschauliche Vogtland ziehen konnte – und damit hinaus aus den Trümmern und Gefahren der Hauptstadt. In Adorf im Vogtland verbrachte sie dann einen großen Teil ihres Lebens. Das Paar gründete eine Familie, zwei Töchter kamen zur Welt: Sabine und Jana.
Im Jahr 2002 zog Tochter Jana Frenzel mit ihrem Mann Stefan aus beruflichen Gründen nach Weinheim. Sie ist dort seit dieser Zeit am Werner-Heisenberg-Gymnasium Lehrerin für naturwissenschaftliche Fächer. 2003 zog Gisela Wunderlich dann den Kindern hinterher und wurde an der Bergstraße heimisch. Rund 20 Jahre wohnte sie in der Grundelbachstraße in der Nähe der Peterskirche und des Alten Friedhofs.
Erst vor vier Jahren, als es vor allem mit dem Augenlicht schlechter wurde, zog die alte Dame, mittlerweile fünffache Großmutter und ebenso fünffache Urgroßmutter, ins Seniorenheim St. Barbara am Schlossberg um – in Sichtweite zur früheren Wohnung. Dort fühlt sie sich wohl und konnte bei bewundernswerter geistiger Frische ihren 100. Geburtstag feiern. Als Vertreterin der Stadt Weinheim überreichte Stadträtin Stella Kirgiane-Efremidou die besten Wünsche, einen Blumenstrauß sowie eine Urkunde des Landes. Zu den Gästen gehörten neben Kindern und Enkelkindern auch das jüngste Urenkelkind. Es ist genau 100 Jahre nach seiner Uroma auf die Welt gekommen.
