Was geschah im Brunnenstollen?

Es wird dunkel und nass, der Boden schlammig, die Wände glänzen von Feuchtigkeit. Die Menschen müssen gebückt gehen, bis sie im wahrsten Sinne des Wortes Licht am Ende des Tunnels sehen. Viel geheimnisvoller geht es nicht.

Wozu diente der Brunnenstollen zum Brunnen der Weinheimer Burgruine Windeck, der unterhalb der Burg herauskommt und viele Jahre lang von einer profanen Eisentür verschlossen ist, nahe der Grüffelo-Figur auf dem Burgweg? Wasserzufuhr? Oder doch ein Fluchtweg?
Ganz genau weiß man es im Moment nicht. Aber Jochen Babist, Geologe und Sprecher der AG Altbergbau Odenwald und Fachbereichsleiter Geowissenschaften beim UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald, ist zuversichtlich, bald ein paar Geheimnisse des Brunnenstollens herauszufinden. Die AG betreut und erschließt schon seit vielen Jahren das Besucherbergwerk Marie in der Kohlbach im Wald bei Hohensachsen ut. Im Moment bereiten sie die Eröffnung eines kleinen Bergbaumuseums im Hohensachsener Ortskern vor. Sie „buddeln“ stets an der Schnittmenge zwischen Geologie und Geschichte.
Damit sind die Hobby-Bergleute auch Experten für das neue Projekt in Weinheim, das vom UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald ebenso unterstützt wird wie von der Stadt Weinheim. Denn aufgrund seiner Profilform und den Werkzeugspuren, so viel haben sie bereits erkundet, ist der Brunnenstollen etwa gleich alt wie die zweite Betriebsperiode der „Marie“ – stammt also vom Ende des 15. Jahrhunderts.
 
Als Fakten stehen fest: Der Stollen ist 50 Meter lang, der Zisternenstand ist 26 Meter tief und besitzt am Boden eine birnenförmige Erweiterung. Bergleute müssen ihn einst mit Schägel und Eisen vorgetrieben haben – was für eine Arbeit! In der Region hat die Feste Dilsberg oberhalb des Neckars einen ähnlichen Stollen.
In den zurückliegenden Wochen hat die AG Altbergbau schweißtreibende aber auch erkenntnisreiche Arbeitseinsätze am Fuße des Windeckhügels organisiert – ehrenamtlich, wie immer. Der Stollen, der Jahre lang weitgehend im Dornröschenschlaf lag, wurde gesichert und von herumliegendem Material gesäubert. Künftig, wahrscheinlich im Herbst, soll er für Führungen zur Verfügung stehen.
Bis dahin klärt sich möglicherweise noch das eine oder andere Mysterium. Im Moment vermuten die Experten, dass der Stollen anfangs des 20. Jahrhunderts genutzt wurde, um eine Wasserversorgung herzustellen. Dazu müsste aber das Wasser irgendwie geleitet oder gepumpt worden sein. Aber ein paar Geheimnisse muss der Berg ja auch bewahren.
 
Geplant ist auch eine Geopunkt-Tafel am Eingang des Stollens, die interessierten Spaziergängern einen vertiefenden Einblick in die Geschichte des unterirdischen Gangs gewährt.

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