Der „OBV“ lebt nicht mehr

Heinrich Bernhard, legendärer frühere Hauptamtsleiter und Träger der Bürgermedaille, ist mit 97 Jahren gestorben

Es gibt in der Geschichte der Stadt Weinheim einige OB, aber nur einen „OBV“. Diesen inoffiziellen Ehrentitel trug exklusiv Heinrich Bernhard, der frühere Hauptamtsleiter der Weinheimer Stadtverwaltung und Träger der Bürgermedaille. Die drei Buchstaben, manchmal ironisch, meistens aber bewundernd und ehrfurchtsvoll verwendet, stehen für „Oberbürgermeister-Vater“. Denn sein Sohn Heiner Bernhard, der als Rathauschef von 2002 bis 2018 die Geschicke der Großen Kreisstadt lenkte, konnte auf seinen alten Herrn zählen, der hinter im stand wie eine ganze Armee. Der mit ihm Erfolge feierte und mit ihm litt, wenn er in der Kritik stand. Er war kluger Berater und Nervensäge in einer Person. Es war nie ein Geheimnis, dass der gebildete Mann, der aus kleinen Verhältnissen stammte, auch die eine oder andere Rede für den OB formulierte, vor allem wenn es um die Weinheimer Kommunalgeschichte und ihre Protagonisten ging. Denn da kannte er sich aus wie kein Zweiter, höchstens der große Weinheimer Lokaljournalist Heinz Keller kommt an diese Wissenskraft heran. Die beiden Männer waren ihr Leben lang Wegbegleiter – wenn auch auf zwei unterschiedlichen Seiten des Schreibtischs.

Fast 50 Jahre bei der Stadt
Heiner Bernhard war übrigens der erste gewählte Nachkriegs-OB, der nicht hauptamtlich von Heinrich Bernhard unterstützt wurde. Zuvor hatte er Rolf Engelbrecht, Theo Gießelmann und Uwe Kleefoot den Rücken freigehalten und das Rathaus organisiert. Denn Heinrich Bernhard war ein ausgezeichneter Verwaltungsmann. Akribisch, fachlich versiert, den Menschen zugewandt, aber auch pragmatisch – das hat später übrigens auch die Amtszeit seines OB-Sohnes geprägt.
Nach dem Krieg organisierte Heinrich Bernhard, Jahrgang 1928, als junger Mann die Verpflegung der Weinheimer Bevölkerung. Das war eine Schule des Lebens, die ich nie losgelassen hat. Darauf hat er aufgebaut. Fast ein halbes Jahrhundert wirkte er für seine Stadtverwaltung, für die er sich bis zuletzt verkämpfte und manchmal auch zerstritt. Niemand anderes hat das Weinheimer Rathaus so geprägt wie er: Personal- und Organisationsaufgaben waren damals in einem wirkmächtigen Hauptamt gebündelt, dem er seinen Stempel aufdrückte. Wichtige, ja epochale Entwicklungen hat er begleitet, intern vorbereitet, Generationen von Verwaltungsleuten geprägt, vor allem mit seiner Achtsamkeit für eine klare deutsche Sprache und einem untrüglichen Gespür für seine Stadt. Heinrich Bernhard war gescheit, gebildet und belesen, weit über sein aktives Berufsleben hinaus politisch interessiert und informiert. Erst in den drei zurückliegenden Jahren hielt er sich ein bisschen raus, lebte zurückgezogen im Bodelschwinghheim am Exotenwald, den er bis ins hohe Alter mit Walking-Stöcken durchstreift hatte. Dort in seinem Zimmer ist er nun mit 97 Jahren friedlich für immer eingeschlafen.

Kämpfer und Lokalpatriot

Wer sein Schüler sein durfte, wird für immer eine Dankbarkeit spüren. Er konnte streng sein und liebenswürdig auf einmal. Er war ein Mensch, nie frei von Selbstzweifel, voller Leidenschaft für die Dinge und Menschen, die ihm wichtig waren. Ein Kämpfer und Lokalpatriot im besten Sinne des Wortes. Oberbürgermeister Manuel Just würdigte den „OBV“ in einer Traueranzeige als eine Persönlichkeit, die seine Heimatstadt und die Stadtverwaltung entscheidend geprägt hat. Heinrich Bernhard, der auch im Vereinsleben, der Kirche und der Kultur in der Stadt aktiv und engagiert war, trug nicht nur die Bürgermedaille der Stadt Weinheim sondern auch die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.        ron

Die Anteilnahme der Weinheimer gilt seinen Angehörigen und Freunden, die am Freitag, 6. März, um 14 Uhr in der Friedhofskapelle in Weinheim Abschied von Heinrich Bernhard nehmen.
 

(Erstellt am 28. Februar 2026)

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